Depression

© iStockPhoto

Nichts geht mehr

Die Depression im medizinischen Sinne ist eine psychische Erkrankung, die mit gedrückter Stimmung, Freud- und Interessenlosigkeit sowie Antriebsarmut einhergeht.

Man geht davon aus, dass bis zu ein Viertel der Patientinnen und Patienten, die eine Hausärztin oder einen Hausarzt aufsuchen, an einer Depression leidet. Allerdings wird nur bei der Hälfte von ihnen die Erkrankung auch erkannt und wiederum nur bei einem Viertel davon zureichend behandelt.

Was sind die Ursachen einer Depression?

Bei einer Depression ist der Stoffwechsel des Gehirns verändert. Die Spiegel der Überträgersubstanzen (Neurotransmitter) Serotonin und Noradrenalin sind bei depressiven Menschen im Vergleich zu gesunden niedriger. Neben einer Verminderung des Antriebs kommt es unter anderem zu einer Beeinträchtigung der Fähigkeit, Empfindungen wie Freude oder Zufriedenheit wahrzunehmen.
Ob diese Stoffwechselstörung eigentliche Krankheitsursache der Depression oder nur die Folge anderer krankmachender Prozesse ist, wird von Experten nach wie vor diskutiert. Fest steht, dass sich eine Depression nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen lässt. Vereinfacht lässt sich sagen, dass es innere und äußere Umstände sind, die einen Menschen an einer Depression erkranken lassen. So können beispielsweise körperliche Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder bestimmte Medikamente depressive Symptome hervorrufen. Zudem nehmen äußere Faktoren, wie etwa die Jahreszeit, Einfluss auf die Stimmung. Bei manchen Menschen ruft der Mangel an Tageslicht im Herbst und im Winter eine sogenannte Herbst-Winterdepression hervor.
Auch genetische Faktoren spielen bei der Entstehung der Depression anscheinend eine Rolle. Eine familiäre Häufung depressiver Erkrankungen lässt sich nachweisen. Daher nimmt man an, dass eine gewisse Anfälligkeit für die Erkrankung vererbt wird. Nicht zuletzt sind psychologische und Persönlichkeitsfaktoren sowie gesellschaftliche Umstände und Lebens­ereignisse von großer Bedeutung.

Formen der Depression

Je nach Ursache, Schweregrad und Symptomen wird zwischen verschiedenen Formen der Depression unterschieden, zum Beispiel:

  • unipolare Depression
  • bipolare Depression
  • saisonal abhängige Depression (Herbst-Winterdepression)
  • Schwangerschaftsdepression
  • Dysthymie (anhaltende getrübte Stimmung)

Weiters unterscheidet man abhängig von Verlauf und weiteren Therapieerfolg zwischen einer depressiven Episode, einer chronischen Depression und einer Depression mit unvollständiger Remission (Genesung):

  • Einzelne depressive Phasen nennt man depressive Episoden. Diese können einmalig oder wiederholt auftreten. Bei mehr als der Hälfte der Ersterkrankungen kommt es im Laufe der Zeit zu einer erneuten Erkrankung. Man spricht dann von einem „Rezidiv“. Zwischen einzelnen depressiven Episoden können Jahre vergehen, sie können aber auch innerhalb eines kurzen Zeitraums gehäuft auftreten.
  • Von einer chronischen Depression spricht man, wenn die Symptome mehr als zwei Jahre anhalten.
  • Eine vollständige Wiederherstellung der psychischen Gesundheit nennt man Remission. Diese kann jedoch unvollständig sein – die depressiven Symptome bessern sich zwar, verschwinden aber nicht ganz.

Durch welche Symptome macht sich eine Depression bemerkbar?

Im Vordergrund stehen die gedrückte Stimmungslage, die Interessen- und Freudlosigkeit sowie ein Mangel an Antrieb beziehungsweise Tatendrang. Häufig ziehen sich diese psychischen Symptome bei Depressiven über einen sehr langen Zeitraum. Charakteristisch ist auch, dass die Niedergeschlagenheit oft „ohne Grund“ auftritt und an einer Depression Erkrankte sich nicht aufheitern lassen. Depressive berichten über Gefühle der Angst und Hoffnungslosigkeit, manche auch über das ständige Bedürfnis, zu weinen. Vielfach wird ein Zustand der Gefühllosigkeit oder der inneren Leere beschrieben. Bei manchen Betroffenen kann es hingegen zu ängstlicher Anspannung und Unruhe kommen.

Menschen, die an einer Depression leiden, glauben oft, in irgendeiner Weise selbst für die Ursache der Erkrankung verantwortlich zu sein – die Krankheit wird demnach als Folge persönlichen Versagens angesehen. Zudem werden die Betroffenen häufig von starken Schuldgefühlen geplagt und leiden an mangelndem Selbstwertgefühl. Auch machen sich vielfach Konzentrationsstörungen bemerkbar: Betroffene klagen etwa über Gedächtnislücken und nachlassendes Denkvermögen. Sprechen und Denken können sich verlangsamt zeigen, inhaltlich können wiederkehrende Gedanken über Tod und Selbstmord im Vordergrund stehen. Bei manchen Erkrankten kommt es zu einem Schuld-, Verarmungs- oder Krankheitswahn.

Charakteristisch für eine Depression sind Veränderungen des Biorhythmus: Es kommt zu Schlafstörungen, typischerweise in Form von frühzeitigem Erwachen, das von Grübeln gefolgt ist. Auch die Stimmung ist tageszeitlichen Schwankungen unterworfen: So sind depressive Symptome zu Tagesbeginn am stärksten ausgeprägt, gegen Nachmittag kommt es meist zu einer Aufhellung.
Darüber hinaus kann es zu einer Minderung des Appetits und der sexuellen Lust kommen. Aber auch körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Kreislaufstörungen, ein Druck auf der Brust, Verstopfung oder Völlegefühl können durch eine Depression ausgelöst oder verstärkt werden.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Die Diagnose wird durch die geschulte Hausärztin oder den geschulten Hausarzt beziehungsweise eine Fachärztin oder einen Facharzt für Psychiatrie nach einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) gestellt. Eine Depression liegt dann vor, wenn eine gewisse Anzahl der oben angeführten Symptome über einen längeren Zeitraum nachweisbar ist. Je nach Schwere der Symptome wird zwischen einer leichten, mittelgradigen und schweren depressiven Episode (begrenzter Zeitraum) unterschieden.

Wie wird eine Depression behandelt?

Bei Patientinnen und Patienten mit Depressionen ist meistens das Gleichgewicht an Signalstoffen im Gehirn gestört. Für die Behandlung einer Depression ist ein verständnisvolles Arztgespräch eine wichtige Grundlage. Basierend darauf wird ein Therapieplan erarbeitet. Dieser enthält meist neben einer medikamentösen Therapie auch noch eine Psychotherapie.
Zunächst wird in der Akuttherapie versucht, die Beschwerden so gut wie möglich zu behandeln. Danach wird in der Erhaltungstherapie der Zustand stabilisiert.

Prognose

Wie erwähnt, sind die Chancen, die jeweiligen depressiven Episoden erfolgreich zu behandeln, im Allgemeinen gut. Die Kombination aus medikamentöser Behandlung und Psychotherapie kann vor allem die Dauer und den Ausprägungsgrad der einzelnen Depressionsphasen verringern. Studien zeigen jedoch, dass etwa die Hälfte aller Menschen, die eine depressive Episode erleben, in den darauf folgenden zehn Jahren weitere depressive Symptome zeigen. In manchen Fällen kann auch eine vorbeugende Behandlung erforderlich sein.
Zudem kann es, vor allem im Alter, dazu kommen, dass sich die depressiven Symptome nicht mehr zurückbilden (Chronifizierung). Bei langen Krankheitsverläufen besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Bei Menschen mit schweren und lang anhaltenden Depressionen sind Todeswünsche sehr häufig. Die Suizidrate ist bei dieser Personengruppe deutlich höher als in der Restbevölkerung. Suizidgedanken müssen daher unbedingt beachtet und dürfen keinesfalls verharmlost werden.