Osteoporose

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Osteoporose

Das Knochengewebe unterliegt einem permanenten Ab- und Aufbau, wobei sich diese Umbauvorgänge im Gleichgewicht halten sollten: Altes Knochengewebe wird abgebaut und durch neues ersetzt.

Bei Vorliegen einer Osteoporose ist dieses Gleichgewicht gestört, der Abbau von Knochensubstanz überwiegt. Sowohl Knochendichte als auch -festigkeit nehmen ab, und vor allem die für die Stabilität wichtigen Knochenbälkchen, die sogenannten Trabekel, werden zunehmend ausgedünnt. Durch diese Veränderungen von Masse und Mikroarchitektur verlieren die Knochen im Laufe der Erkrankung an Festigkeit, sie werden „porös“ und können leichter brechen, auch bei für gesunde Menschen harmlosen Anlässen wie einem kleinen Sturz.

Da die Knochenmasse natürlicherweise ab dem 35. bis 40. Geburtstag beginnt, ein wenig abzunehmen, ist die Osteoporose meist eine Erkrankung der späteren Lebensabschnitte. In Österreich leiden Schätzungen zufolge bis zu 740.000 Menschen an Osteoporose, davon sind etwa 617.000 Frauen betroffen. Es wird angenommen, dass 30 Prozent der über 50-jährigen Frauen an Osteoporose erkrankt sind. Im Alter von über 80 Jahren zeigen etwa zwei Drittel der Frauen ein erhöhtes Frakturrisiko. Untersuchungen zufolge erhält allerdings nur jeder fünfte Betroffene eine Therapie mit Osteoporose-Medikamenten.

Wie kommt es zu einer Osteoporose?

Osteoporose bedeutet immer, dass ein Missverhältnis zwischen der vorhandenen Knochenmasse und dem stattfindenden Knochensubstanzverlust vorliegt. Menschen mit anlagemäßig geringer Knochenmasse haben im Alter oder bei Vorliegen von knochenschädigenden Erkrankungen ein wesentlich höheres Risiko, eine Osteoporose zu entwickeln, als Menschen mit besserer Knochenreserve.

Man unterscheidet eine primäre und eine sekundäre Form der Osteoporose.

  • Primäre Osteoporose: Mit etwa 95 Prozent der Erkrankungsfälle stellt die primäre Osteoporose die bei Weitem häufigste Form der Erkrankung dar. Frauen weisen ein deutlich höheres Risiko auf als Männer. Grund hierfür ist der direkte Zusammenhang zwischen Knochenmasse und Knochenverlust: Auch Faktoren wie Bewegungsmangel, Fehler in der Ernährung und sonstige ungesunde Lebensgewohnheiten spielen in der Krankheitsentstehung eine große Rolle.
  • Sekundäre Osteoporose: Für diese Form der Osteoporose gibt es klar definierbare Ursachen. Der Knochenschwund ist also nicht die Erkrankung selbst, sondern zählt zu den Symptomen der eigentlichen Erkrankung (Erkrankungen der Hormondrüsen, Hormonmangel wie Sexualhormonmangel oder Vitamin D,  Hormonüberschuss, Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme/-verdauung, chronischen Nierenerkrankungen, Bewegungsunfähigkeit/Immobilisation, entzündliche Erkrankungen wie Morbus Crohn oder chronische Polyarthritis und neoplastische Knochenmarkserkrankungen).

Wie macht sich die Osteoporose bemerkbar?

Die Verringerung der Knochenmasse verursacht an sich keine Symptome, vor allem zunächst keine Schmerzen. Oft ist ein Knochenbruch das erste Anzeichen für das Vorliegen einer Osteoporose. In vielen Fällen sind Speiche, Rippen, Oberarm, Becken und Oberschenkelhals betroffen.

Osteoporoseprobleme im Rückenbereich treten in Form von Wirbelkörpereinbrüchen gehäuft ab dem 60. Lebensjahr auf und betreffen Frauen dabei etwa dreimal häufiger als Männer. In etwa 50 Prozent der Fälle mit Wirbelkörpereinbrüchen verläuft die Osteoporose akut und danach oft chronisch schmerzhaft.

Die Bildung eines Rundrückens und die Verminderung der Körpergröße können ebenfalls Anzeichen einer Osteoporose sein.
Besondere Beachtung verdient ein Knochenbruch, der gleichsam von allein erfolgt oder durch eine geringe Belastung ausgelöst wird, sowie ein Knacken im Rücken mit plötzlich auftretenden, starken Schmerzen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird die Krankengeschichte erheben (Anamnese) und erfragen, ob bei Ihnen Risikofaktoren vorliegen. Besondere Bedeutung kommt Osteoporosefällen in der Familie zu.
Darüber hinaus werden andere Erkrankungen, die eine (sekundäre) Osteoporose verursachen können, durch spezielle Untersuchungen abgeklärt (zum Beispiel Blut­untersuchungen).
Bei der Knochendichtemessung kann die Stärke des Knochens gemessen werden. Ab einem T-Score von -2,5 und sekundären Risikofaktoren oder Knochenbrüchen wird die Diagnose Osteoporose gestellt.

Wie wird Osteoporose behandelt?

Die Grenzen zwischen Vorbeugung und Therapie sind bei der Osteoporose fließend. Abhängig von den individuellen Risikofaktoren, wie Eltern mit Hüftfrakturen, Rauchen oder Alkoholismus, wird entschieden, ob mit einer Therapie begonnen werden soll.
Basis jeder Behandlung ist eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D. Dies kann über eine Ernährungsumstellung oder mittels Medikamenten erfolgen.
Da Veränderungen durch Knochendichtemessungen oft frühzeitig erkannt werden, können Medikamente bereits vor dem Auftreten von Knochenbrüchen eingesetzt werden.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sollten Betroffene beachten?

  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit das Heben schwerer Gewichte.
  • In etwa 80 Prozent der Schenkelhalsfrakturen ereignen sich zu Hause. Richten Sie Ihre eigenen vier Wände daher so ein, dass Stürze bestmöglich vermieden werden können:
    • Bringen Sie Halterungen im Badewannen- oder Duschbereich an.
    • Versehen Sie alle Treppenaufgänge mit Geländern.
    • Sorgen Sie für gute Ausleuchtung.
    • Versuchen Sie, Teppichläufer nach Möglichkeit zu vermeiden.
  • Empfehlenswert sind zweckmäßige, flache Schuhe mit rutschfesten Sohlen. An Tagen mit Glatteis ist besondere Vorsicht angebracht.
  • Lassen Sie eventuelle Sehstörungen korrigieren. Das gilt auch für ältere Personen ohne Osteoporose, da bei ihnen auch unabhängig von der Knochendichte ein erhöhtes Risiko für Stürze besteht.
  • Versuchen Sie, mit Medikamenten, die die Reaktion beeinträchtigen, sparsam umzugehen oder nach Möglichkeit darauf zu verzichten.
  • Das Tragen von sogenannten Hüftprotektoren (unter der Kleidung) fällt optisch keinesfalls auf und verringert im Falle eines erhöhten Sturzrisikos die Gefahr, einen Oberschenkelhalsbruch zu erleiden.

Wie kann man vorbeugen?

Lebensstilfaktoren wie die Zusammensetzung der Ernährung oder das Ausmaß der körperlichen Aktivität haben bei der Entstehung der Osteoporose einen hohen Anteil und dementsprechend einen hohen Anteil bei der Vorbeugung der Erkrankung. Besonders die Aufnahme des Mineralstoffs Kalzium und der sogenannte Vitamin-D-Status spielen eine wesentliche Rolle im Rahmen der Knochenneubildung.
Bewegungsformen, in deren Rahmen es zu einer Krafteinwirkung auf das Skelettsystem kommt, wirken dem Knochenabbau entgegen und sind sogar in der Lage, die Knochenneubildung zu fördern. Aus diesem Grund ist auch in Hinblick auf die Knochengesundheit die Fitnesswelle nach Kräften zu unterstützen. Bestens geeignete Sportarten, die auch im höheren Lebensabschnitt durchgeführt werden können, sind unter anderem Laufen und Nordic Walking.