Schwerhörigkeit

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Wie bitte …?

Unter Schwerhörigkeit versteht man eine Minderung des Hörvermögens, die von einer leichten Hörstörung bis hin zur Gehörlosigkeit reichen kann.

Sie kann parallel mit Gleichgewichtsstörungen und Ohrgeräuschen (Tinnitus) auftreten. Es gibt mehrere Ursachen für Schwerhörigkeit und dementsprechend auch mehrere Behandlungsmöglichkeiten. Viele der Betroffenen sind auf Hörhilfen angewiesen. Generell steigt die Häufigkeit von Schwerhörigkeit und Hörstörungen im Alter an. Außerdem sind Männer eher davon betroffen als Frauen. Nach Expertenschätzung leidet in Österreich bis zu einem Fünftel der Bevölkerung an Hörstörungen.

Wie wird Schwerhörigkeit festgestellt?

Bei einer veränderten Hörwahrnehmung ist es ratsam, eine HNO-Ärztin oder einen HNO-Arzt aufzusuchen. Dort wird mithilfe verschiedener Untersuchungsmethoden die Hörleistung festgestellt, anhand derer der Grad der Schwerhörigkeit bestimmt werden kann.

Grad der Schwerhörigkeit

  • Geringgradige Schwerhörigkeit: 20 bis 40 Prozent Hörverlust
  • Mittelgradige Schwerhörigkeit: 40 bis 60 Prozent Hörverlust
  • Hochgradige Schwerhörigkeit: 60 bis 80 Prozent Hörverlust
  • Resthörigkeit: 80 bis 95 Prozent Hörverlust
  • Taubheit: 100 Prozent Hörverlust

Welche Arten von Schwerhörigkeit gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man Schwerhörigkeit, die auf eine Schallleitungsstörung zurückgeht, und Schwerhörigkeit, die auf einer Schallempfindungsstörung beruht. Die Schallleitungsstörung ist oft mechanisch bedingt (zum Beispiel durch Ohrenschmalz). Die häufigste Form der Schwerhörigkeit, die Altersschwerhörigkeit, zählt zu den Schallempfindungsstörungen.
Einige Ursachen von Schwerhörigkeit führen zu einer kombinierten Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit, bei der sich die Hörverluste addieren können. Zu diesen Ursachen gehören zum Beispiel chronische Mittelohrentzündungen und Otosklerose.
Eine Sonderform der Schwerhörigkeit ist die Neugeborenenschwerhörigkeit. Die Früherkennung (zum Beispiel mittels OAEs – otoakustische Emissionen) ist hier besonders wichtig, da ein ausreichendes Hörvermögen Voraussetzung für eine ungestörte Sprachentwicklung ist.

Schallleitungsstörung

Bei der Schallleitungsstörung handelt es sich um eine Beeinträchtigung der mechanischen Schallübertragung im äußeren Ohrbereich oder im Mittelohr. Bei der Untersuchung finden sich häufig krankhafte Veränderungen des Trommelfells, Verengungen des Gehörgangs durch Narben, Entzündungen oder Fremdkörper und Verunreinigungen des Gehörgangs durch Ohrenschmalz. Außerdem kann es bei einem Schädelbruch aufgrund der Verwerfung von Gehörknöchelchen zu einer Hörminderung kommen.

Behandlung der Schallleitungsschwerhörigkeit

Ist der Gehörgang durch einen Fremdkörper oder Ohrenschmalz mechanisch verlegt, besteht die Therapie in einer Gehörgangsreinigung mit speziellen Instrumenten oder einer Ohrspülung. Ein Paukenerguss (Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr) kann mit abschwellenden Nasentropfen, Mukolytika, Antihistaminika und/oder mechanischen Tubenventilationssystemen behandelt werden. Manchmal kann auch ein operativer Eingriff notwendig sein. Operative Maßnahmen kommen immer dann infrage, wenn die zuvor genannten konservativen Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen oder aufgrund der Art der Erkrankung ein solcher Erfolg nicht zu erwarten ist.
Zu den operativen Therapieverfahren zählt die Schallempfindungsstörung.

Schallempfindungsstörung

Bei der Schallempfindungsstörung (sensoneuraler Hörverlust) liegt der Schaden im Innenohr oder selten auch im Hörnerv, der zum Gehirn führt. Die Ursachen hierfür können sein:

  • Erhöhtes Alter: Die Altersschwerhörigkeit ist eine altersbedingte, zunehmende Schallempfindungsstörung ohne genau erkennbare Ursache. Anfangs können die Betroffenen nur die hohen Frequenzen nicht mehr hören, mit der Zeit auch die tieferen nicht. Dadurch ist das Sprachverständnis vor allem in lärmender Umgebung beeinträchtigt. Erste Anzeichen für Altersschwerhörigkeit können bereits im vierten Lebensjahrzehnt auftreten, die Häufigkeit nimmt im fünften Lebensjahrzehnt deutlich zu. Etwa ein Drittel der über 65-Jährigen zeigt einen relevanten Hörverlust. Oft tritt ein Tinnitus als Begleitsymptom auf. Die Altersschwerhörigkeit lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen und umfasst verschiedene Einflüsse. Mögliche Ursachen sind Alterungsvorgänge der Hör- und Nervenzellen im Ohr, genetische Veranlagung oder eine Anhäufung von ohrschädigenden Faktoren wie Lärm, Mittelohrerkrankungen, toxische Substanzen und Genussmittel.
  • Lärm: Die Schallempfindungsstörung kann entweder durch die chronisch andauernde Einwirkung von Lärm (zum Beispiel am Arbeitsplatz) oder als akutes Lärmtrauma (zum Beispiel durch Schüsse, Feuerwerkskörper oder extrem laute Musik) entstehen. Die typischen Symptome des lärmbedingten Innenohrschadens sind Taubheitsgefühl und Tinnitus. Berufsbedingte Lärmschwerhörigkeit ist eine anerkannte Berufskrankheit.
  • Hörsturz: plötzlich auftretende, meist einseitige Innenohrschwerhörigkeit ohne erkennbare Ursache
  • Toxische Innenohrschädigung durch Medikamente (Acetylsalicylsäure, Aminoglykoside, Diuretika, Zytostatika), Chemikalien (Blei, Quecksilber, Arsen, Kohlenmonoxid) oder Genussmittel in hohen Dosen (Alkohol, Heroin, Tabak, Kokain)
  • Innenohrentzündung, die durch Infektionen und andere entzündliche Prozesse in der Umgebung entstehen kann
  • genetisch bedingte Ursachen
  • Infektionskrankheiten (Zoster, Borrelien, HIV, Tuberkulose, Toxoplasmose, Masern, Röteln, Mumps, Typhus)
  • Morbus Menière

Behandlung der Schallempfindungsschwerhörigkeit

Bei der Therapie von Schallempfindungsstörungen unterscheidet man zwischen Therapiemaßnahmen bei akut aufgetretenen Schallempfindungsschwerhörigkeiten und persistierenden (längere Zeit andauernden) Schallempfindungsschwerhörigkeiten.
Akut aufgetretene Schallempfindungsstörungen (Hörsturz) und akute Verschlechterungen der Hörleistung werden nach Ausschluss erkennbarer Ursachen schnellstmöglich rheologisch und mit Glukokortikoiden behandelt. Bei der rheologischen Therapie werden die Fließeigenschaften des Blutes beeinflusst, um die Durchblutung des Gewebes zu verbessern.
Bei beidseitig persistierender Schallempfindungsschwerhörigkeit sind Hörgeräte, bei sehr ausgeprägter Schwerhörigkeit und Taubheit unter Umständen auch eine Cochlea-Implantation (Platzierung einer Elektrode im Innenohr) notwendig.

Von Ärzten werden folgende Vorbeugungsmaßnahmen empfohlen:

  • beim Neugeborenen-Hörscreening auf die Dokumentation des Ergebnisses im Mutter-Kind-Pass achten
  • jährliche Kontrollen bei Kindern, wenn die Eltern nicht sicher sind, ob das Kind gut hört
  • Bereits im Kindesalter können Lärmschäden entstehen: Kinderspielzeug kann sehr laut sein und latente Schäden des Innenohres hervorrufen, die dann erst viele Jahre später als Schwerhörigkeit und/oder Tinnitus in Erscheinung treten.
  • Ruhepause nach Lärmbelastung (zum, Beispiel Konzert, egal, ob U- oder E-Musik)
  • Musik hören mit Kopfhörern: je lauter, desto kürzer; Ruhepausen einlegen
  • auf schallmindernde Motorradhelme achten und Spezialgehörschutz verwenden
  • Heimwerkermaschinen nie ohne Gehörschutz verwenden
  • Hörstatus mit 40 Jahren feststellen und mindestens alle fünf Jahre kontrollieren lassen
  • bei Verdacht auf Hörminderung nicht zögern, sondern ärztlich abklären lassen
  • bei Hörhilfe: Probephase nützen und unterschiedliche Geräte in Ruhe ausprobieren
  • gefäßfreundlicher Lebensstil, da das Ohr nur von einem Blutgefäß versorgt wird