Sodbrennen

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Sodbrennen

Im menschlichen Magen herrscht ein extrem saures Milieu. Die Beschaffenheit des Magenmilieus ist zum einen für die Verdauung von Bedeutung, zum anderen tragen die unfreundlichen Bedingungen dafür Sorge, dass mit der Nahrung aufgenommene Keime abgetötet werden.

Der Magenschleimhaut kann dies nichts anhaben, sie ist speziell für einen so niedrigen pH-Wert „gemacht“. Fließt der saure und dementsprechend aggressive Mageninhalt allerdings zurück in die Speiseröhre (Ösophagus) und reizt die dortige, ungeschützte Schleimhaut, kann dies zu einem brennenden Schmerz hinter dem Brustbein führen, dem Sodbrennen. Gelangt der Magensaft sogar in den Mundraum, spricht man von saurem Aufstoßen.

Statistiken gehen davon aus, dass ein Viertel der Bevölkerung in den westlichen Industrienationen einmal im Monat mit Sodbrennen oder saurem Aufstoßen zu kämpfen hat – oft nach einem reichhaltigen und fetten Essen. Allerdings: Erst wenn die Symptome regelmäßig auftreten (also mindestens ein- bis zweimal pro Woche) und/oder das Wohlbefinden deutlich beeinträchtigen, spricht man von einer gastroösophagealen Refluxkrankheit. In den Industrieländern der westlichen Welt sind in etwa 10 Prozent der Menschen von dieser Erkrankung betroffen. Für die gastroösophageale Refluxkrankheit wird im medizinischen Sprachgebrauch gerne die Abkürzung GERD (Gastro Esophageal Reflux Disease) verwendet. Unter diesem Begriff werden verschiedene Ausprägungen der Erkrankung zusammengefasst: Bei der nicht erosiven Refluxkrankheit etwa weist die Schleimhaut der Speiseröhre keine sichtbaren Schädigungen auf. Im Falle der erosiven Form hingegen zeigen sich bei der Spiegelung der Speiseröhre vor allem im unteren Bereich entzündliche Veränderungen. Hervorgerufen werden diese Veränderungen durch die Reizung, die der zu lang andauernde und zu häufige Einfluss des sauren Mageninhalts auf die Speiseröhrenschleimhaut ausübt.

Eine Refluxkrankheit mit regelmäßigem Sodbrennen ist nicht nur unangenehm, sie sollte auch keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Denn der wiederholte Kontakt mit der Magensäure kann – wenn auch selten – eine Veränderung der Zellen in der unteren Speiseröhre nach sich ziehen. Dann entsteht ein sogenannter Barrett-Ösophagus (Barrett-Syndrom), der wiederum das Risiko einer Erkrankung an Speiseröhrenkrebs erhöht. Deshalb ist es wichtig, bei immer wiederkehrenden Beschwerden die Ärztin oder den Arzt aufzusuchen.

Warum kommt es zu einer Refluxkrankheit?

Die Speiseröhre ist ein muskulöser Schlauch, der die Mundhöhle mit dem Magen verbindet. Zwischen der Speiseröhre und dem Mageneingang befindet sich ein ringförmiger Schließmuskel, der im Normalfall verhindert, dass aggressive Verdauungssäfte in den Ösophagus übertreten. Wenn dieser Schließmuskel seine Aufgabe nicht erfüllt, kommt es zum Reflux (Rückfluss): Der saure Mageninhalt gleitet die Speiseröhre hinauf und kommt in Kontakt mit der Schleimhaut der Speiseröhre. Nach den Ursachen der Erkrankung werden zwei Formen der Refluxkrankheit unterschieden:

  • Primäre Form: Ursache der primären Form ist eine Funktionsstörung des Ösophagus-Sphinkters: der Ringmuskel ist also zu schwach, um den Mageninhalt zurückzuhalten. Wie es zu dieser Störung kommt, ist gegenwärtig noch nicht genau geklärt. Alkohol, Nikotin und fetthaltiges Essen, aber auch Stress und Ärger, scheinen eine gewisse Rolle zu spielen. Als möglicher Auslöser wird darüber hinaus die Hiatushernie diskutiert – eine Lücke im Zwerchfell, die sich bei vielen Refluxpatienten findet. Durch diesen Zwerchfellbruch verlagern sich Magenanteile in den Brustraum, was die Abdichtung zwischen Magen und Speiseröhre beeinträchtigen kann.
  • Sekundäre Form: Von einer sekundären Form spricht man, wenn keine Funktionsstörung des Schließmuskels selbst zugrunde liegt. Die Symptome werden in diesem Fall also durch anderweitig bedingte Veränderungen hervorgerufen – etwa durch Übergewicht, Schwangerschaft, eine Verengung des Magenausgangs beziehungsweise des Zwölffingerdarms oder durch eine neuromuskuläre Grunderkrankung. Auch Patientinnen und Patienten mit Magenkrebs und nach Magenoperationen leiden mitunter an einer sekundären Refluxkrankheit.

Der gesteigerte Rückfluss von Magensaft kann, wie gesagt, zu einer Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut führen. Ob eine solche Reflux-Ösophagitis auftritt und welche Ausprägung diese annimmt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: der Zusammensetzung des Mageninhalts, der Ausprägung der Schleimhautschutzmechanismen und vor allem davon, wie lange die aggressiven Verdauungssäfte mit der Schleimhaut Kontakt hatten. Diese Zeitspanne ist im Regelfall kurz, da sich die Speiseröhre durch Eigenbewegungen reinigt. Alkohol, Nikotin, fettige Speisen führen allerdings dazu, dass sich diese peristaltischen Bewegungen verringern. Dadurch werden die Selbstreinigung beeinträchtigt und das Auftreten einer Reflux-Ösophagitis begünstigt.

Welche Symptome treten auf?

Leitsymptom der Refluxkrankheit ist das Sodbrennen. Der brennende Schmerz hinter dem Brustbein tritt oft nach größeren Mahlzeiten auf und verstärkt sich beim Bücken oder im Liegen. Hinzu kommt häufig saures Aufstoßen. Nachts passiert es mitunter, dass der Mageninhalt bis in den Mundraum zurückläuft. Sodbrennen kann aber auch durch andere Magen-Darm-Erkrankungen bedingt sein. Daneben kann es im Rahmen einer Refluxkrankheit auch zu relativ unspezifischen Symptomen kommen, wie etwa

  • Oberbauchschmerzen
  • Schluckstörungen
  • Schmerzen beim Schlucken
  • Brennen im Rachen
  • Reizhusten
  • Heiserkeit

Zwischen der Intensität der Symptome und der Ausprägung der gastroösophagealen Refluxkrankheit besteht kein unmittelbarer Zusammenhang: Manche Patientinnen und Patienten klagen trotz schwerer Schleimhautschäden kaum über Beschwerden. Umgekehrt können die Schleimhautbefunde trotz ständigen heftigen Sodbrennens völlig unauffällig sein.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Den entscheidenden Hinweis auf das Vorliegen einer Refluxkrankheit erhalten die Ärztin oder der Arzt durch die Schilderung der Beschwerden. Obwohl Sodbrennen auch bei anderen Erkrankungen auftritt, ist es dennoch das entscheidende Kriterium für die Diagnosefindung.

Wird Sodbrennen als Hauptsymptom genannt, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Patientin oder der Patient an einer GERD leiden, bei mehr als 75 Prozent. Kommt saures Aufstoßen hinzu, erhärtet das den Verdacht. Einige Beschwerden, die bei GERD auftreten, können, wie erwähnt, auch bei anderen Krankheiten gegeben sein, zum Beispiel Magengeschwür oder Gallensteine. Um eine sichere Diagnose stellen zu können, werden die Ärztin oder der Arzt Sie daher auf einige dieser Krankheiten hin untersuchen.

Für die sichere Diagnosestellung sowie zur Beurteilung allfälliger Schleimhautschäden wird in der Regel eine endoskopische Untersuchung (Spiegelung) der Speiseröhre durchgeführt. Will der Arzt einen Zwerchfellbruch über ein Röntgenbild feststellen, wird er Ihnen ein Kontrastmittel verabreichen, das Sie während der Aufnahme schlucken müssen.

Zuverlässigstes diagnostisches Instrument ist die Impedanz-pH-Metrie. Dabei wird ein sehr dünner Plastikschlauch durch ein Nasenloch ans untere Ende der Speiseröhre gelegt. Über diesen Katheter, der mit einem tragbaren Aufzeichnungsgerät verbunden ist, werden in der Folge über zwölf beziehungsweise 24 Stunden hinweg der pH-Wert und Messungen des veränderten Wandwiderstands durchgeführt. Die Patientinnen und Patienten dürfen während dieser Zeit ganz normal essen, trinken und ihren alltäglichen Verrichtungen nachgehen. Sie sind aber angehalten, ihre Tätigkeiten und Beschwerden zu protokollieren. So lässt sich genau feststellen, wann und in welchem Zusammenhang der Reflux auftritt.

Wie wird Reflux behandelt?

Wenn noch keine Erosion der Schleimhaut vorliegt, kann die Behandlung durch eine Veränderung des Lebensstils und der Ernährung erfolgen. Danach können medikamentöse oder operative Maßnahmen notwendig werden.